Theaterstück: Die Welle

Dynamik auf der Bühne

 

Wie stark wirkt Gruppendruck? Wie leicht ist der Mensch verführbar? Wie kann man gegen Ungerechtigkeit aufbegehren? … diese und viele weitere wichtige gesellschaftspolitische Themen wurden am 07. Juni in der Theateraufführung der SchülerInnen des 12 BG behandelt… und waren doch so unterhaltsam verpackt. Der Kurs “Darstellendes Spiel” schaffte es, den Klassiker von Morton Rhue aus dem Jahr 1981 in die Gegenwart zu übersetzen. Das Publikum war durchgängig begeistert.

 

Der Roman hat zur Grundlage das bereits 1967 an einer High School in den USA durchgeführte Experiment “The Third Wave”, in welchem Geschichtslehrer Ron Jones seinen skeptischen SchülerInnen zeigen wollte, wie es zum Holocaust kommen konnte und wie leicht es ist, Massen zu manipulieren.

 

Damit das Publikum, darunter auch die AustauschschülerInnen aus North Carolina, für das Thema sensibilisiert wurden, übernahm Schüler Mattis Wennemuth im Dinosaurier-Kostüm die Rolle des Animators und forderte gleich zu Beginn der Vorstellung freundlich-fröhlich das Publikum auf, einige Übungen mit ihm gemeinsam zu machen – und alle Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen und folgten seinem Beispiel. Zunächst waren dies einige Lockerungsübungen, später auch eher kuriose Aktionen, wie das Darstellen eines Elefanten. Es gab keinen Protest, keine Verweigerung. Und mit Hinweis darauf, wie schwer es doch sein kann, dem Gruppendruck zu widerstehen, entließ er die Zuschauer nachdenklich in den Theaterabend.

 

Dann nahm der Abend weiter an Fahrt auf: Dargestellt wurde mit wenigen Requisiten eine Schulklasse, in der die SchülerInnen mit mäßigem Engagement der Unterrichtsstunde von “Mrs. Ross” lauschten und nicht glauben konnten, wie es zum Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust kommen konnte. Visualisiert wurde das Thema über Filmzuspielungen von Konzentrationslagern auf einer großen Leinwand mit Erzählerkommentar. Um ihrer Klasse einen Eindruck von den dahinterstehenden Mechanismen zu vermitteln, startet die Lehrerin das Experiment “Die Welle”.

 

 

Die Durchführung verläuft in drei Stufen. Zunächst fordert die Lehrerin Disziplin ein, beispielsweise durch gerade Sitzhaltung, militärisch anmutende Ansprache, dem Halten der Hände hinter dem Rücken.

 

Durch das Erkennungssymbol, einer Welle in einem Kreis und dem Gemeinschaftsgruß, einer wellenförmigen Handbewegung, stärkt sie das Gruppengefühl, bei dem das Individuum sich der Gemeinschaft unterordnet. Ehemals gemobbte Klassenkameraden werden integriert.

 

 

 

Die letzte Stufe “Macht durch Handeln” fordert die Mitglieder der Bewegung auf, neue Mitglieder zu rekrutieren. Ein hierarchisches System entsteht. Die wenigen Kritiker, unter anderem eine Schülerin aus der Redaktion der Schülerzeitung, werden attackiert.

 

Wer sich nicht unterordnet und sich dem Kodex gemäß verhält, hat Repressalien zu befürchten. Ein autoritäres, totalitäres Machtgefüge ist entstanden. Die Identifikation mit dem System führt dazu, dass ein Schüler Mrs. Ross auch bis in ihr Privatleben folgt.

 

Auch der Ehemann sowie die Direktorin der Schule erkennen die Gefahren und fordern die Lehrerin auf, die Aktion zu beenden. Als sie die Bewegung auflösen will, droht eine Katastrophe.

 

Durch einfache, aber sehr wirkungsvolle Requisiten konnte die Veränderung der SchülerInnen dargestellt werden: Lagen die Stühle anfangs kreuz und quer, standen sie später alle akkurat in einer Reihe.

Hingen vorher noch Poster mit dem Titel “Freiheit” im Raum, gab es später nur noch Parolen. Die Rollen der Personen waren mehrfach besetzt, durch gleiche Kleidung waren sie jedoch leicht wieder zu erkennen.

 

 

Lebendig war auch der Wechsel zwischen Aktionen auf und vor der Bühne, die unterschiedliche Räume darstellten: Die Klasse, das Zuhause der Lehrerin, den Redaktionsraum der Schülerzeitung.

 

 

Ruhige Momente wurden von rasanten, aktionsgeladenen Szenen abgelöst: Vier Schüler berichteten aus ihrem Alltag von Ereignissen, in welchen sie sich durch Gruppendruck zu Handlungen verleiten ließen, die sie als Individuum nicht ausgeführt hätten.

 

 

Täuschend echte Kampfszenen sowie mehrere Tanzeinlagen forderten vollen Körpereinsatz von den SchauspielerInnen und boten die Gelegenheit, ihr gesamtes Können zu zeigen.

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufführung war ein voller Erfolg. Für alle, die nicht dabei waren: Sichern Sie sich nächstes Jahr rechtzeitig Karten für das nächste Theaterprojekt, das jeweils ganz exklusiv nur ein einziges Mal aufgeführt wird. Falls Sie im nächsten Schuljahr gerne das Unterrichtsfach “Darstellendes Spiel” wählen möchten, wenden Sie sich an die zuständigen Lehrkräfte.

 

Wir gratulieren den SchauspielerInnen sowie dem Team der beiden betreuenden Lehrkräfte, Anke Stubig und Alexandra Huber, zu diesem gelungenen Projekt und wünschen uns viele weitere Produktionen.